Alle Artikel mit dem Schlagwort: zitat

Ursache. In Klammern gesetzt.

Der US-Mathematiker Marvin Minsky war sich schon vor mehr als sechzig Jahren sicher, dass Maschinen so manche der vom menschlichen Gehirn vollbrachten Leistungen übernehmen könnten. Er hat recht behalten. Computersysteme ahmen die menschliche Intelligenz nach, indem sie aus Informationen Handlungen ableiten. Mithilfe neuronaler Netze können sie dabei das bereits Erlernte mit stets neuen Inhalten verbinden. Experten sprechen von Deep Learning. Roboter werden so zu Mitarbeitern. Die Technik macht es möglich, dass sich Maschinen mit anderen vernetzen und Programme blitzschnell Bilder oder Texte auswerten. Die Zahl solcher Anwendungen nimmt auch deshalb zu, weil immer mehr Daten generiert werden, deren Verfügbarkeit zwingende Voraussetzung für innovative KI-Anwendungen ist. Deutschland droht im Rennen um die Anwendungen dieser Zukunftstechnologie den Anschluss zu verlieren. Dennoch: Es tut sich bundesweit etwas. Insbesondere überall da, wo an den Hochschulen die führenden Köpfe ausgebildet werden, was aber nicht zwingend garantiert, dass diesen Köpfen auch tatsächlich zukunftsfähige Konzepte entspringen, wie zu Beispiel den Entwicklern des Heliograf, dem Roboterreporter der Washington Post, der im vorangegangenen Jahr rund 850 Artikel produziert hat. Darunter befanden sich 500 Artikel, …

Zweites Kapitel | Umgeschrieben

Es gibt sehr aufdringliche Damen – Ein Rechtsanwalt hat nichts dagegen – Betteln verdirbt den Charakter Am Türschild stand: Moll. Im Flur hing ein Wandspiegel. Alexander zog das Taschentuch und rieb die weißen Flecken aus dem Gesicht. Die Krawatte war bis zum Adamsapfel hochgezogen. Der Hinterkopf brannte. Und die Schwarzhaarige sah auf ihn herunter. »Wissen Sie, was eine Megäre ist?« fragte er. Sie legte den Arm um ihn. »Ich weiß es, aber ich bin hübscher. Ich hole uns Wodka Soda. Warten Sie hier.« »Gut.« Die Frau verschwand in der Küche. Alexander folgte der Frau. Sie führte ihn geradewegs ins Schlafzimmer, schenkte Wodka ein, stellte Wasser, Eis, Zigaretten und Kokain zurecht und sagte mit einer umfassenden Geste: »Bediene dich!« »Mein Gott, ein Tempo haben Sie am Leibe!« »Wo?« fragte sie. Er überhörte das. »Setz dich. Ich komme gleich wieder.« Er hielt sie zurück und gab ihr einen Kuß. »Na, es wird ja langsam«, meinte sie und entfernte sich. Er trank einen Schluck Wodka auf Eis. Dann musterte er das Zimmer. Das Bett war niedrig und breit. …

It is a day turn’d strangely.

Ich lese „Du sollst dein Leben schreiben – die norwegische Gegenwartsliteratur pendelt zwischen Ich-Sezierung und Welterkundung“ und attestiere dem Autor einen Dachzeilenschaden. Ich lache darüber, dass in Dänemark ernsthaft gefragt wurde, ob sich Literatur eigentlich mit etwas anderem beschäftigen darf als mit der Klimakrise. Wenn es stimmt, dass in Schweden manche die Literatur in der Pflicht sehen, aus den „Lesern“ bessere Menschen zu machen, werde ich solange schwedische Hörbücher produzieren, bis auch das letzte noch lesenden Auge von einem Blinden geöffnet wurde. Und in Norwegen? – fragt der Schreiberling und antwortet prompt: Da schreiben die Autoren mit Begeisterung über sich selbst. Unterste Zeile, oder? Immerhin: Ich weiß nun endlich, wo all die wunderbaren Täter, verwüsteten Opfer und kaputte Kriminalisten dieser Welt verbannt werden. Auf dem Spielplatz vor unserem Haus jammert gerade ein Kind. Mir ist langweilig. Im Fernsehen würde sicher nichts laufen. Handke macht Täter zu Opfern. Debatte um den Nobelpreis für Peter Handke. Wer Handke Kriegstreiber nennt, hat ihn nicht richtig gelesen. Kommentar zum Nobelpreis an Peter Handke. Umgang mit Peter Handke: “Dieses krasse …

Über den Hut

Mit Hut – da hat der Michel Würthle recht, als er das eben hier bemerkte – hat man das Problem, dass, anders als früher, so wenig Hüte unterwegs sind, man ist als Hutmensch allein (übersetzt, weil mich hier alle immer nicht verstehen: Der Hut macht ein zu großes Statement).

Stockhausen

„Also was da geschehen ist, ist natürlich – jetzt müssen Sie alle Ihr Gehirn umstellen – das größte Kunstwerk, was es je gegeben hat …“ „Daß also Geister in einem Akt etwas vollbringen, was wir in der Musik nie träumen könnten, daß Leute zehn Jahre üben wie verrückt, total fanatisch, für ein Konzert. Und dann sterben. [Zögert.] Und das ist das größte Kunstwerk, das es überhaupt gibt für den ganzen Kosmos. Stellen Sie sich das doch vor, was da passiert ist. Das sind also Leute, die sind so konzentriert auf dieses eine, auf die eine Aufführung, und dann werden fünftausend Leute in die Auferstehung gejagt. In einem Moment. Das könnte ich nicht. Dagegen sind wir gar nichts, also als Komponisten. … Ein Verbrechen ist es deshalb, weil die Menschen nicht einverstanden waren. Die sind nicht in das_Konzert_gekommen. Das ist klar. Und es hat ihnen niemand angekündigt, ihr könntet dabei draufgehen.“ Bemerkungen zum 11. September 2001 von Stockhausen