Alle Artikel mit dem Schlagwort: zettelkasten

Bademantel, geklaut.

– Bin über einem Text eingeschlafen. Bin über einem Text aufgewacht. Habe einen Text über das geschrieben, was man im Allgemeinen Liebe nennt. Dachte, ich hätte das Schreiben geträumt. Wusste, dass dies kein Traum gewesen sein konnte und erschockstarrte beim Erwachen, vor einer leeren Seite, gefangen in der Angst des Textverlustes. Ich verlor mich in den Sicherungen, las über das Verschwinden eines Blattes, und wie oft ich danach dachte, ich sei nichts weiter. Drum schrieb ich neu, was ich geträumt, von dem ich wusste, was es mal war. Mein Wünschen und mein Fürchten auch, um das ich weiß, ihr lest es es nun: um das ich weiß: es ist wieder da.

It is a day turn’d strangely.

Ich lese „Du sollst dein Leben schreiben – die norwegische Gegenwartsliteratur pendelt zwischen Ich-Sezierung und Welterkundung“ und attestiere dem Autor einen Dachzeilenschaden. Ich lache darüber, dass in Dänemark ernsthaft gefragt wurde, ob sich Literatur eigentlich mit etwas anderem beschäftigen darf als mit der Klimakrise. Wenn es stimmt, dass in Schweden manche die Literatur in der Pflicht sehen, aus den „Lesern“ bessere Menschen zu machen, werde ich solange schwedische Hörbücher produzieren, bis auch das letzte noch lesenden Auge von einem Blinden geöffnet wurde. Und in Norwegen? – fragt der Schreiberling und antwortet prompt: Da schreiben die Autoren mit Begeisterung über sich selbst. Unterste Zeile, oder? Immerhin: Ich weiß nun endlich, wo all die wunderbaren Täter, verwüsteten Opfer und kaputte Kriminalisten dieser Welt verbannt werden. Auf dem Spielplatz vor unserem Haus jammert gerade ein Kind. Mir ist langweilig. Im Fernsehen würde sicher nichts laufen. Handke macht Täter zu Opfern. Debatte um den Nobelpreis für Peter Handke. Wer Handke Kriegstreiber nennt, hat ihn nicht richtig gelesen. Kommentar zum Nobelpreis an Peter Handke. Umgang mit Peter Handke: “Dieses krasse …

Günther Vogler – Tanzende

Dem Tagebuch vorangestellt

  Wenn einst dies Geschlecht sich gereinigt von Schande vom Nacken geschleudert die Fessel des Fröners nur spürt im Geweide den Hunger nach Ehre: dann wird auf der Walstatt voll endloser Gräber aufzucken der Blutschein. Dann jagen auf Wolken lautdröhnende Heere dann braust durchs Gefilde der schrecklichste Schrecken der dritte der Stürme: DER TOTEN ZURÜCKKUNFT. Stefan George

Gebote

Du musst alles zu Notiz machen können. Du musst jeden Tag einen Film anschauen. Du musst 5 Bücher in verschiedenen Genres auf einmal lesen können. Du darfst nicht rechnen können und abzählen. Du musst aus dem letzten Loch laut pfeifen können. Du darfst im Bett an nichts anderes denken. Du mußt Dir einbilden können, alles zu sein. Du mußt Deinem besten Freund ein Bein stellen können, um ihn wieder aufzurichten. Du mußt gegen den Wind laufen können, bis du nicht mehr atmen kannst. Du darfst nicht schlafend sterben. don’t cry work.

Über den Hut

Mit Hut – da hat der Michel Würthle recht, als er das eben hier bemerkte – hat man das Problem, dass, anders als früher, so wenig Hüte unterwegs sind, man ist als Hutmensch allein (übersetzt, weil mich hier alle immer nicht verstehen: Der Hut macht ein zu großes Statement).

Stockhausen

„Also was da geschehen ist, ist natürlich – jetzt müssen Sie alle Ihr Gehirn umstellen – das größte Kunstwerk, was es je gegeben hat …“ „Daß also Geister in einem Akt etwas vollbringen, was wir in der Musik nie träumen könnten, daß Leute zehn Jahre üben wie verrückt, total fanatisch, für ein Konzert. Und dann sterben. [Zögert.] Und das ist das größte Kunstwerk, das es überhaupt gibt für den ganzen Kosmos. Stellen Sie sich das doch vor, was da passiert ist. Das sind also Leute, die sind so konzentriert auf dieses eine, auf die eine Aufführung, und dann werden fünftausend Leute in die Auferstehung gejagt. In einem Moment. Das könnte ich nicht. Dagegen sind wir gar nichts, also als Komponisten. … Ein Verbrechen ist es deshalb, weil die Menschen nicht einverstanden waren. Die sind nicht in das_Konzert_gekommen. Das ist klar. Und es hat ihnen niemand angekündigt, ihr könntet dabei draufgehen.“ Bemerkungen zum 11. September 2001 von Stockhausen