Alle Artikel mit dem Schlagwort: mutter

der mund ist die wunde des alphabets

Der Mund ist die Wunde des Alphabets.

Meine Mutter verlor Ihren einzigen Sohn schon vor der Geburt. Sie war fest davon überzeugt, meinen Vater durch mich fest an sich binden zu können. Zweimal hatte Sie schon – auf sein Drängen hin – abgetrieben. Ich bin kein Akt der Liebe, sondern eine gescheiterte Erpressung. Was mein Vater ihr nach Bekanntwerden der Schwangerschaft versprach, war nichts als ein ausklingendes Echo gewesen, das am Tag meiner Geburt endgültig verhallte. Als sie dies begriffen hatte, verlor ich die für mich vorgesehene Funktion und schon kurz darauf verbrachte ich die Tage bei meinen Großeltern, die Nächte sollten schon alsbald folgen. In Kästners Gang vor die Hunde fragt sich Fabian, der Protagonist, wo, angenommen, er sei wirklich der Träger einer Funktion, das System ist, in dem er funktionieren kann – es ist nicht da, und nichts hat Sinn. Es gibt wohl kaum ein Werk, dass mir so nahe steht, wie dieses. Der Gang vor die Hunde ist mir schon im ersten Semester meines Germanistikstudiums ein guter Freund geworden. Nun, fünfzehn Jahre später, passt zwischen uns kein Blatt Papier. …

Ursache. In Klammern gesetzt.

Der US-Mathematiker Marvin Minsky war sich schon vor mehr als sechzig Jahren sicher, dass Maschinen so manche der vom menschlichen Gehirn vollbrachten Leistungen übernehmen könnten. Er hat recht behalten. Computersysteme ahmen die menschliche Intelligenz nach, indem sie aus Informationen Handlungen ableiten. Mithilfe neuronaler Netze können sie dabei das bereits Erlernte mit stets neuen Inhalten verbinden. Experten sprechen von Deep Learning. Roboter werden so zu Mitarbeitern. Die Technik macht es möglich, dass sich Maschinen mit anderen vernetzen und Programme blitzschnell Bilder oder Texte auswerten. Die Zahl solcher Anwendungen nimmt auch deshalb zu, weil immer mehr Daten generiert werden, deren Verfügbarkeit zwingende Voraussetzung für innovative KI-Anwendungen ist. Deutschland droht im Rennen um die Anwendungen dieser Zukunftstechnologie den Anschluss zu verlieren. Dennoch: Es tut sich bundesweit etwas. Insbesondere überall da, wo an den Hochschulen die führenden Köpfe ausgebildet werden, was aber nicht zwingend garantiert, dass diesen Köpfen auch tatsächlich zukunftsfähige Konzepte entspringen, wie zu Beispiel den Entwicklern des Heliograf, dem Roboterreporter der Washington Post, der im vorangegangenen Jahr rund 850 Artikel produziert hat. Darunter befanden sich 500 Artikel, …