Alle Artikel mit dem Schlagwort: der gang vor die hunde

Hoffnung trägt Hut

Hoffnung.

“Sogenannte Blaulichthemen, also Polizeieinsätze, Gasexplosionen oder Dorfschlägereien laufen ja eh immer gut, ebenso Neuigkeiten in den Bereichen Netzausbau oder geplante Verbindungen und Verbesserungen der Deutschen Bahn – eigentlich jeder noch so kleine, infrastrukturelle Hoffnung spendende Nebensatz der der Pressemitteilung eines Großkonzerns entstammt, lässt die Auflage für den jeweiligen Tag steigen. Aus diesem Grund nennen wir dieses Zimmer hier”, er blieb kurz stehen, drehte sich zu der Touristengruppe um und zeigte auf eine Tür “im Gegensatz zu dem Newsroom, den Sie im vorherigen Stockwerk sehen konnten, Room of Hope. Alles, was auf den ersten Blick Strukturwandel und im Idealfall davon sogar positiven und Optimismus verbreitenden verspricht, landet hier und wird von Journalisten be- und aufgearbeitet, deren Räuberpistolen zu schlecht für die Bild, aber zu gut für jedes andere Blatt sind.” In diesem Moment, als alle Blicke auf der Glastür lagen, die tatsächlich den, mit höchster Sorgfalt, aufgeklebten Schriftzug “Room of Hope” trug, darüber stand übrigens, in weitaus größeren Lettern, “Redaktion: Wirtschaft”, zerbrach das Glas mit einem großen Knall und abertausende Splitter verteilten sich auf dem Boden …

der mund ist die wunde des alphabets

Der Mund ist die Wunde des Alphabets.

Meine Mutter verlor Ihren einzigen Sohn schon vor der Geburt. Sie war fest davon überzeugt, meinen Vater durch mich fest an sich binden zu können. Zweimal hatte Sie schon – auf sein Drängen hin – abgetrieben. Ich bin kein Akt der Liebe, sondern eine gescheiterte Erpressung. Was mein Vater ihr nach Bekanntwerden der Schwangerschaft versprach, war nichts als ein ausklingendes Echo gewesen, das am Tag meiner Geburt endgültig verhallte. Als sie dies begriffen hatte, verlor ich die für mich vorgesehene Funktion und schon kurz darauf verbrachte ich die Tage bei meinen Großeltern, die Nächte sollten schon alsbald folgen. In Kästners Gang vor die Hunde fragt sich Fabian, der Protagonist, wo, angenommen, er sei wirklich der Träger einer Funktion, das System ist, in dem er funktionieren kann – es ist nicht da, und nichts hat Sinn. Es gibt wohl kaum ein Werk, dass mir so nahe steht, wie dieses. Der Gang vor die Hunde ist mir schon im ersten Semester meines Germanistikstudiums ein guter Freund geworden. Nun, fünfzehn Jahre später, passt zwischen uns kein Blatt Papier. …

Zweites Kapitel | Umgeschrieben

Es gibt sehr aufdringliche Damen – Ein Rechtsanwalt hat nichts dagegen – Betteln verdirbt den Charakter Am Türschild stand: Moll. Im Flur hing ein Wandspiegel. Alexander zog das Taschentuch und rieb die weißen Flecken aus dem Gesicht. Die Krawatte war bis zum Adamsapfel hochgezogen. Der Hinterkopf brannte. Und die Schwarzhaarige sah auf ihn herunter. »Wissen Sie, was eine Megäre ist?« fragte er. Sie legte den Arm um ihn. »Ich weiß es, aber ich bin hübscher. Ich hole uns Wodka Soda. Warten Sie hier.« »Gut.« Die Frau verschwand in der Küche. Alexander folgte der Frau. Sie führte ihn geradewegs ins Schlafzimmer, schenkte Wodka ein, stellte Wasser, Eis, Zigaretten und Kokain zurecht und sagte mit einer umfassenden Geste: »Bediene dich!« »Mein Gott, ein Tempo haben Sie am Leibe!« »Wo?« fragte sie. Er überhörte das. »Setz dich. Ich komme gleich wieder.« Er hielt sie zurück und gab ihr einen Kuß. »Na, es wird ja langsam«, meinte sie und entfernte sich. Er trank einen Schluck Wodka auf Eis. Dann musterte er das Zimmer. Das Bett war niedrig und breit. …