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ich. verdächtigend.

Verdachtsmomente.

Seit Wochen vergeht kein Tag, an dem ich nicht wenigstens für eine Sekunde an den eigenen Tod denke. Dieses sich dem Phänomen des eigenen Todes nähern und sich, wenn auch nur für einen kurzen Moment, dem eigenen Tod in einer Art und Weise stellen, als wäre dieser in solchen Augenblicken mehr als etwas naturgemäß Unausweichliches, sondern als wäre der Tod das unausweichliche Hier und Jetzt, liegt in einem Verdacht begründet, der ein unmittelbarer, ein spürbar um die Ecke lauernder ist. Doch kann ich noch so flink hochschnellen, die Ecke ist immer schon verlassen und der Verdacht hat sich verflüchtigt. Der Moment, wenn ich mich dann wieder an den Schreibtisch setze, gibt sich mir immer als etwas Unwirkliches, zugleich auf eine immer wieder neu zu erlebende und radikale Weise widerlich real. Dieses tägliche Schauspiel lässt mich aus allen möglichen Welten in einen nahezu undurchdringlichen Nebel, in eine Art Panik fallen, die mir zugleich unbedingten Überlebenswillen lehrt. Nur langsam, wenn ich wieder sitze und schreibe, nimmt der Druck in der Brust ab und der Kopf kühlt sich …

Bademantel, geklaut.

– Bin über einem Text eingeschlafen. Bin über einem Text aufgewacht. Habe einen Text über das geschrieben, was man im Allgemeinen Liebe nennt. Dachte, ich hätte das Schreiben geträumt. Wusste, dass dies kein Traum gewesen sein konnte und erschockstarrte beim Erwachen, vor einer leeren Seite, gefangen in der Angst des Textverlustes. Ich verlor mich in den Sicherungen, las über das Verschwinden eines Blattes, und wie oft ich danach dachte, ich sei nichts weiter. Drum schrieb ich neu, was ich geträumt, von dem ich wusste, was es mal war. Mein Wünschen und mein Fürchten auch, um das ich weiß, ihr lest es es nun: um das ich weiß: es ist wieder da.

Günther Vogler – Tanzende

Dem Tagebuch vorangestellt

  Wenn einst dies Geschlecht sich gereinigt von Schande vom Nacken geschleudert die Fessel des Fröners nur spürt im Geweide den Hunger nach Ehre: dann wird auf der Walstatt voll endloser Gräber aufzucken der Blutschein. Dann jagen auf Wolken lautdröhnende Heere dann braust durchs Gefilde der schrecklichste Schrecken der dritte der Stürme: DER TOTEN ZURÜCKKUNFT. Stefan George

Gebote

Du musst alles zu Notiz machen können. Du musst jeden Tag einen Film anschauen. Du musst 5 Bücher in verschiedenen Genres auf einmal lesen können. Du darfst nicht rechnen können und abzählen. Du musst aus dem letzten Loch laut pfeifen können. Du darfst im Bett an nichts anderes denken. Du mußt Dir einbilden können, alles zu sein. Du mußt Deinem besten Freund ein Bein stellen können, um ihn wieder aufzurichten. Du mußt gegen den Wind laufen können, bis du nicht mehr atmen kannst. Du darfst nicht schlafend sterben. don’t cry work.