Alle Artikel in: journal

ich. verdächtigend.

Verdachtsmomente.

Seit Wochen vergeht kein Tag, an dem ich nicht wenigstens für eine Sekunde an den eigenen Tod denke. Dieses sich dem Phänomen des eigenen Todes nähern und sich, wenn auch nur für einen kurzen Moment, dem eigenen Tod in einer Art und Weise stellen, als wäre dieser in solchen Augenblicken mehr als etwas naturgemäß Unausweichliches, sondern als wäre der Tod das unausweichliche Hier und Jetzt, liegt in einem Verdacht begründet, der ein unmittelbarer, ein spürbar um die Ecke lauernder ist. Doch kann ich noch so flink hochschnellen, die Ecke ist immer schon verlassen und der Verdacht hat sich verflüchtigt. Der Moment, wenn ich mich dann wieder an den Schreibtisch setze, gibt sich mir immer als etwas Unwirkliches, zugleich auf eine immer wieder neu zu erlebende und radikale Weise widerlich real. Dieses tägliche Schauspiel lässt mich aus allen möglichen Welten in einen nahezu undurchdringlichen Nebel, in eine Art Panik fallen, die mir zugleich unbedingten Überlebenswillen lehrt. Nur langsam, wenn ich wieder sitze und schreibe, nimmt der Druck in der Brust ab und der Kopf kühlt sich …

Ursache. In Klammern gesetzt.

Der US-Mathematiker Marvin Minsky war sich schon vor mehr als sechzig Jahren sicher, dass Maschinen so manche der vom menschlichen Gehirn vollbrachten Leistungen übernehmen könnten. Er hat recht behalten. Computersysteme ahmen die menschliche Intelligenz nach, indem sie aus Informationen Handlungen ableiten. Mithilfe neuronaler Netze können sie dabei das bereits Erlernte mit stets neuen Inhalten verbinden. Experten sprechen von Deep Learning. Roboter werden so zu Mitarbeitern. Die Technik macht es möglich, dass sich Maschinen mit anderen vernetzen und Programme blitzschnell Bilder oder Texte auswerten. Die Zahl solcher Anwendungen nimmt auch deshalb zu, weil immer mehr Daten generiert werden, deren Verfügbarkeit zwingende Voraussetzung für innovative KI-Anwendungen ist. Deutschland droht im Rennen um die Anwendungen dieser Zukunftstechnologie den Anschluss zu verlieren. Dennoch: Es tut sich bundesweit etwas. Insbesondere überall da, wo an den Hochschulen die führenden Köpfe ausgebildet werden, was aber nicht zwingend garantiert, dass diesen Köpfen auch tatsächlich zukunftsfähige Konzepte entspringen, wie zu Beispiel den Entwicklern des Heliograf, dem Roboterreporter der Washington Post, der im vorangegangenen Jahr rund 850 Artikel produziert hat. Darunter befanden sich 500 Artikel, …

SELBSTGESPRÄCH

Dialoge

Dekorativ, aber nicht praktikabel. Dennoch weicht der Autor von dieser Marotte nicht ab. Er mag den Gedanken der zusätzlichen Zerstreuung eben dieser durch die Benutzung unterschiedlichster Gedankenauffangapparate. Ach, wie herrlich unübersichtlich früher schon ein Blatt Papier sein konnte – nun also die größtmögliche Verwirrung; und Frechheit, fantasiert man sich eine interessierte Nachwelt herbei.

Zweites Kapitel | Umgeschrieben

Es gibt sehr aufdringliche Damen – Ein Rechtsanwalt hat nichts dagegen – Betteln verdirbt den Charakter Am Türschild stand: Moll. Im Flur hing ein Wandspiegel. Alexander zog das Taschentuch und rieb die weißen Flecken aus dem Gesicht. Die Krawatte war bis zum Adamsapfel hochgezogen. Der Hinterkopf brannte. Und die Schwarzhaarige sah auf ihn herunter. »Wissen Sie, was eine Megäre ist?« fragte er. Sie legte den Arm um ihn. »Ich weiß es, aber ich bin hübscher. Ich hole uns Wodka Soda. Warten Sie hier.« »Gut.« Die Frau verschwand in der Küche. Alexander folgte der Frau. Sie führte ihn geradewegs ins Schlafzimmer, schenkte Wodka ein, stellte Wasser, Eis, Zigaretten und Kokain zurecht und sagte mit einer umfassenden Geste: »Bediene dich!« »Mein Gott, ein Tempo haben Sie am Leibe!« »Wo?« fragte sie. Er überhörte das. »Setz dich. Ich komme gleich wieder.« Er hielt sie zurück und gab ihr einen Kuß. »Na, es wird ja langsam«, meinte sie und entfernte sich. Er trank einen Schluck Wodka auf Eis. Dann musterte er das Zimmer. Das Bett war niedrig und breit. …