journal, Material, Notizen, Werkstattbuch

Verdachtsmomente.

ich. verdächtigend.

Seit Wochen vergeht kein Tag, an dem ich nicht wenigstens für eine Sekunde an den eigenen Tod denke. Dieses sich dem Phänomen des eigenen Todes nähern und sich, wenn auch nur für einen kurzen Moment, dem eigenen Tod in einer Art und Weise stellen, als wäre dieser in solchen Augenblicken mehr als etwas naturgemäß Unausweichliches, sondern als wäre der Tod das unausweichliche Hier und Jetzt, liegt in einem Verdacht begründet, der ein unmittelbarer, ein spürbar um die Ecke lauernder ist. Doch kann ich noch so flink hochschnellen, die Ecke ist immer schon verlassen und der Verdacht hat sich verflüchtigt. Der Moment, wenn ich mich dann wieder an den Schreibtisch setze, gibt sich mir immer als etwas Unwirkliches, zugleich auf eine immer wieder neu zu erlebende und radikale Weise widerlich real. Dieses tägliche Schauspiel lässt mich aus allen möglichen Welten in einen nahezu undurchdringlichen Nebel, in eine Art Panik fallen, die mir zugleich unbedingten Überlebenswillen lehrt. Nur langsam, wenn ich wieder sitze und schreibe, nimmt der Druck in der Brust ab und der Kopf kühlt sich in den Wörtern wieder herunter, wenn auch nur schleppend und dieses Schleppen wird zu einem Siechen das mich abbauen lässt, Wort für Wort, Silbe für Silbe, Buchstabe für Buchstabe und ich im Deutschlandfunk sagt ein Schriftsteller im Interview, das Sein wäre wichtiger als das Tun. Ich stehe auf und schmeiße den Sender vom Balkon. Ich, der Überlebende, der jetzt wieder ist, ist unfähig, etwas zu schaffen. Gleichzeitig weiß ich, dass ich im Vorfeld nicht genug getan habe, als dass es zum Sein reicht.